03.05.26 Etappe 17 Novi Sad – Belgrad

Nachdem ich Novi Sad durch den Park Richtung Süden verlasse, beschliesse ich, nicht die 96 Kilometer der EuroVelo-Route 6 zu nehmen, sondern direkt auf der Hauptstrasse zu fahren, um meine Chancen zu erhöhen, den Anschlussbus nach Modriča zu erreichen, wo meine Familie wartet. Tatsächlich erreiche ich trotz eines Ćevapčići-Stopps den Busbahnhof bereits um 14.45 Uhr, also 15 Minuten vor Abfahrt des Cars. Doch der Busbahnhof ist derart gross, dass ich erst um 15.05 Uhr am richtigen Eingang stehe.

Dort heisst es auf meine Frage, ob ich das Bike mitnehmen könne, ich solle den Chauffeur fragen. Darin sehe ich jedoch ein Dilemma: Durch den Eingang komme ich nur mit gültigem Ticket – was aber, wenn der Chauffeur die Mitnahme ablehnt? Also rufe ich die Transportgesellschaft an, die eine Fahrt um 19.30 Uhr anbietet. Dort meldet sich niemand.
Der Kontrolleur am Eingang zeigt sich vom Velo fasziniert: Er habe noch nie ein so schönes Rad gesehen und würde sich selbst ein solches wünschen.
Beim zweiten Busunternehmen gibt mir der Herr am Telefon schliesslich direkt die Nummer des Fahrers, der morgen um 15.00 Uhr startet. Zuvor möchte allerdings auch er einiges über mein Fahrrad wissen – was es gekostet habe, denn er wünsche sich ebenfalls eines.

Die letzte Etappe der Veloreise ist erreicht.

Es ist das Ende einer abwechslungsreichen, interessanten, spannenden, ein wenig sportlichen Reise, aber es gibt noch viele Flüsse, an denen man entlang fahren kann.

Wenn ich über die Endlichkeit des Lebens sinniere, so erhält sie plötzlich Sinn, denn nur was begrenzt ist, kann auch erfüllt werden. Ein unendliches Leben bliebe unerfüllbar – wie ein Gefäß ohne Wände, das nichts fassen kann. Nur durch Begrenzung wird Erfüllung überhaupt möglich. Mit dieser Reise konnte ich in diesem Sinne dazu einen schönen Beitrag leisten.

Übrigens sind alle Bilder, die ich poste, unbearbeitete Originale.

Jetzt sitze ich in Belgrad – mit einigen unveröffentlichten Bildern und vielen unerzählten Geschichten im Gepäck.

In Belgrad gibt es viel zu entdecken.

In der Unterkunft „Prince Hall“ im Zentrum musste ich mein Velo zwar zwei Stockwerke die Treppe hochschieben – dafür steht es jetzt direkt vor meinem Zimmer und scheint dort sicher zu sein.

Vielen Dank an alle, die meinen Blog begleitet haben. Er war nicht nur für euch gedacht, sondern auch für mich selbst – als Gedankenstütze und zugleich als Übung, eine Webseite mit WordPress zu gestalten, was ich vielleicht später auch in der Schule umsetzen kann.

Jetzt bleibt vor allem Dankbarkeit – für die Erlebnisse, die Begegnungen, die Herausforderungen und für alle, die mich auf diesem Weg begleitet haben. Diese Reise endet hier, doch ihre Geschichten, Eindrücke und Gedanken werden noch lange nachwirken. Vielleicht war sie nur ein Abschnitt, vielleicht der Anfang von etwas Neuem. In jedem Fall bleibt die Erkenntnis: Gerade weil unsere Wege begrenzt sind, lohnt es sich, sie bewusst zu gehen.

Und zum Schluss noch ein Bild aus der Bar, aus welcher ich die letzte Etappe beschreibe:

Frei übersetzt:

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