29.04.26 Etappe 13 Szentendre – Budapest – Rácalmás

Bis anhin waren meine Tagestouren harmlose Sonntagsfahrten. Heute jedoch wurde es abenteuerlich – je nach Perspektive sogar gefährlich. Ich glaube allerdings nicht, dass das etwas mit der 13. Etappe zu tun hatte. Doch dazu später.

Mein Hotelzimmer gestern war nur drei bis vier Schritte vom Fahrrad entfernt, das sicher in der kaum belegten Tiefgarage stand.

Zwischen Szentendre und Budapest gibt es wunderbar ausgebaute, schön markierte, von Bäumen und Sträuchern flankierte Fahrradwege.

An Vienna fuhr ich am Stadtrand vorbei, während ich Budapest mitten durchs Zentrum durchquerte – über mehr als zehn Kilometer hinweg, teils im Schritttempo, teils im Stillstand vor Ampeln.

Südlich der Ungarischen Hauptstadt wird die Navigation anspruchsvoller. Manchmal muss ich umkehren und einen neuen Weg einschlagen. Auf dem Kartenausschnitt, auf dem meine Route aufgezeichnet ist, lässt sich das gut erkennen.

Dann werden die Wege enger, holpriger, auf Hauptstrassen auch gefährlicher.

Ich versuche, im Navi den Zielort Dunaújváros einzugeben, dass Hauptverkehrsachsen ausgeschlossen werden – eigentlich sollte das im Fahrradmodus automatisch geschehen.

Hotels und Herbergen werden ebenfalls rarer.

Ich werde an das Ende eines Weges gelotst. Eigentlich geht es hier nicht mehr weiter – doch das Navi ist anderer Ansicht.

Die Zeit ist schon vorgerückt. Früher hatte man „Gottvertrauen“, heute stützt man sich auf die Google Maps- App, die mir Wege angibt, wo keine (mehr) sind oder nur zu Fuss mit Machete zu bewältigen sind. Ich glaube, schlimmer kann es nicht mehr werden – und stehe plötzlich vor einer Schranke mit dem Schild „Privatgrund, Durchfahrt verboten“. Das Velo passt exakt unter der Barriere hindurch.

Ein Hotel zu reservieren ist nicht möglich, weil ich weder weiss, ob noch wann ich ankomme. Also hoffe ich, unterwegs eine Herberge zu finden. Für Dunaújváros ist es bereits zu spät, also suche ich online nach einer Hoteladresse im nächsten Dorf: das Hotel Jankovich. Klingt vielversprechend.
Ich gebe die Adresse in die Google Maps ein. Doch zuerst muss ich noch unter der Schranke hindurch – und jetzt koste es, was es wolle, ich verlasse mich kompromisslos auf die neueste technische Errungenschaft, ganz wie damals, als man glaubte, die Titanic sei unsinkbar.

Wer meint, hier gäbe es eine Abkürzung, täuscht sich. Zwischen der grauen und der blauen Linie befindet sich ein undurchdringbares, sumpfiges Dickicht. Beim blauen Pfeil präsentiert sich der Weg wie folgt:

Der Point of no Return ist längst überschritten, also fahre ich weiter.

Durch dieses Nadelöhr stosse ich schliesslich das Velo.

Ich befinde mich in einer einzigartigen Wildnis. Es laufen mir allein heute vier Hasen und drei Rehe über den Weg.

Dann ging es stetig auf Naturstrassen weiter bis zum Dorf Rácálmas, wo das Anwesen und das Hotel Jankovich die Hauptattraktionen sind.

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